Weitere Repressionen und Kriminalisierungen gegen die Sexarbeiterinnen in St. Georg geplant. DIE LINKE Bezirksfraktion Hamburg Mitte kritisiert die Pläne des Senats, durch ein „Kontaktverbot“ den Straßenstich „einzudämmen“. Mehr...
44,5% der Bevölkerung im Bezirk Mitte sind Migrantinnen und Migranten. Das ist der höchste Migrant_innen-Anteil aller Hamburger Bezirke. In manchen Stadtteilen wie Wilhelmsburg (56,8) und Billstedt (49,8%) ist der Migrant_innenanteil besonders hoch. Hiervon sind ein erheblicher Anteil Menschen, die keinen deutschen und keinen EU-Pass besitzen. Da... Mehr...
wider den Ersatz von Sozialpolitik durch Repression

Leider haben wir es beim nunmehr wieder weggeflexten Zaun (das hatten die Demonstranten am 23.9. als Aufforderung hinterlassen!) unter der Kersten-Miles Brücke mit nur einem Beispiel für die nicht nachvollziehbare Politik des Bezirksamtsleiters Schreiber und seiner SPD in Hamburg Mitte zu tun, die konsequent auf Repression und Ordnungspolitik anstelle von Sozialpolitik setzen. Natürlich haben wir als einzige im Hauptausschuss Ende November 2010 gegen die Säuberung des öffentlichen Raumes unter dieser Brücke gestimmt (siehe Protokollauszug). Ebenso im Ausschuss für das Management des öffentlichen Raums (Anlage) und der Bezirksversammlung (Anlage). Dies nur als Erinnerungshilfe für die SPD, die gerne behauptet, all dies sei im Konsens geschehen.
Bezirksamtsleiter Schreiber hat sich in eine unselige Tradition begeben: Kersten Miles war bekanntlich der Hamburger Bürgermeister, der der Sage nach sein Wort gegenüber Störtebeker bzw. dessen Gefährten nicht gehalten hat. Und wir müssen feststellen, dass das Versprechen, die hier lagernden Obdachlosen mit Wohnraum zu versorgen und erst dann die Umgestaltung des öffentlichen Raumes unter der Brücke zu vollziehen, genauso wenig ernst gemeint war. Es geht Herrn Schreiber und seiner SPD darum, den Bezirk Mitte sauber zu halten, und sauber heißt für sie, dass bestimmte Gruppen von Menschen nicht mehr sichtbar sind. Und zwar vor allem nicht für die Touristen, denen ein sauberes Hamburg ohne soziale Probleme vorgegaukelt werden soll.
Üble Polemik haben wir von Seiten der SPD und des Bezirksamtsleiters in der Bezirksversammlung am 15.09. erlebt: Wer die Vertreibung kritisiert, der will, dass Menschen unter Brücken schlafen, wer die Vertreibung kritisiert, der will nichts gegen Mord und Vergewaltigung unternehmen.
Natürlich wollen wir nicht, dass Menschen unter Brücken schlafen müssen, wir wollen, dass alle Menschen mit bezahlbarem Wohnraum versorgt werden. Und solange das nicht der Fall ist, sollten Menschen auch im Trockenen unter Brücken schlafen dürfen.
Natürlich wollen wir nicht, dass Mord und Vergewaltigung an der Tagesordnung sind, aber wir halten Baumaßnahmen und vor allem Stahlzäune nicht für ein Mittel, beides zu verhindern.
Vertreibung und Verbote sind seit Jahren das Markenzeichen der Bezirkspolitik in Mitte. Ob es um Straßenmusik auf der Spitaler Straße geht, um Bettler auf dem Jungfernstieg, um alternative Wohnformen (Wagenplätze) auf St. Pauli oder in Wilhelmsburg, um Straßenprostitution in St. Georg oder um Rauch- und Alkoholverbot auf Spielplätzen, ganz aktuell um unliebsame Menschen auf dem Bahnhofsvorplatz – stets sind Verbote und Vertreibung von Menschen das Mittel der Wahl, nicht etwa Moderation und Problemlösungsversuche. Unwichtig, wohin die Menschen gehen, was aus ihnen wird, Hauptsache, unser Bezirk bleibt sauber.
Manchmal geht das auch in die Hose, zum Beispiel sind die Rothenburgsorter nicht wirklich davon begeistert, dass Herr Schreiber die Prostitution vom Hansaplatz auf die Großmannstraße verlagern möchte. St. Florian ist eben doch kein guter Ratgeber für eine nachhaltige Sozialpolitik.
Wir bekämpfen diese Politik in der Bezirksversammlung, allerdings fast allein. Seit Februar tun wir das immerhin gemeinsam mit den beiden Piraten, die in der BV sitzen.
Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass diese Politik nicht als Politik im Sinne der Mehrheit, als Schutz der Bevölkerung verkauft werden kann.
Schlaglichter auf einige »Baustellen« der bezirklichen Arbeit in Hamburg-Mitte
Liebe Leserin, lieber Leser,
hier ist nun die erste Ausgabe unserer Fraktionsbroschüre nach der Neuwahl, die insbesondere für die Bezirksversammlungen ja ziemlich überraschend kam. So etwas wird es nicht wieder geben, denn nunmehr gilt das neue Wahlgesetz,
das die Wahlen zur Bezirksversammlung mit den Europawahlen verknüpft.
Wir haben die „Sommerpause“ genutzt, einiges zu Papier zu bringen, was uns unter den neuen Bedingungen in der Bezirksversammlung begegnet ist. Nunmehr agiert dort ja die SPD (25 von 51 Sitzen) mit wechselnden Mehrheiten, formal gibt es kein „Rot-Grün“ mehr. Dessen ungeachtet hat eine ganz große Koalition aus SPD, CDU, GAL und FDP Zuschnitt und Größe der Ausschüsse so verändert, dass DIE LINKE in vielen Ausschüssen nur noch einen Sitz hat, während der SPD überall die absolute Mehrheit zufällt, die sie in der Bezirksversammlung nicht hat.
Gleichzeitig hat sich die SPD großzügig gezeigt und den Sprecher der FDP (von Beruf Immobilienmakler) auf ihr Ticket in die Kommission für Stadtentwicklung sowie in den Bau- und den Stadtplanungsausschuss entsandt. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
Geblieben ist es bei der vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen SPD-Fraktion und Herrn Bezirksamtsleiter Schreiber. Jede populistische und der Presse zugespielte Idee des Chefs wird von der SPD bejubelt und als eigene Initiative betrachtet, zum Beispiel das Rauch- und Trinkverbot auf Spielplätzen.
Ich wünsche eine interessante Lektüre,
mit freundlichem Gruß,
Bernhard Stietz-Leipnitz
Abgeordneter aus St. Georg, Fraktionsvorsitzender
Christine Detamble-Voss
Christine Detamble-Voss
Bernhard Stietz-Leipnitz
Sandra Clemens
Markus Schneider-Johnen
Manfred Schubert
Renate Hercher-Reis
Renate Hercher-Reis
Dr. Joachim Bischoff (MdHBü),
Antje Schellner und Michael Joho
Marion Fisch, Joachim Bischoff
von Georg Huber 2011